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Kreuzbänder

Aufgaben

Die Kreuzbänder stellen den zentralen und wichtigsten Stabilisator des Kniegelenkes dar. Es gibt ein vorderes und ein hinteres Kreuzband. Die beiden Kreuzbänder ziehen im Zentrum des Gelenkes vom Unterschenkelplateau zu den gegenüberliegenden Innenseiten der Oberschenkelrollen und überkreuzen sich ungefähr in der Mitte ihres Verlaufes.

Funktionen

Das vordere Kreuzband verhindert ein übermäßiges Gleiten des Unterschenkels gegen den Oberschenkel nach vorne und limitiert die Rotation des Gelenkes. Das hintere Kreuzband verhindert ein Ausweichen des Unterschenkels nach hinten.

Entstehung von Kreuzbandschäden

Verletzungen des vorderen Kreuzbandes sind circa zehn Mal häufiger als die des hinteren Kreuzbands. Sie entstehen im Rahmen von Außenrotationsbewegungen des meist gebeugten Knies bei feststehendem Unterschenkel (z.B. Fußballspielen, Kampfsportarten, Skisport) oder Überstreckungsverletzungen (v.a. im Skisport).

Subjektives Empfinden

Ein Kreuzbandriss kann, muss jedoch nicht schmerzhaft sein. Häufig wird im Moment des Unfalls ein Krachen im Kniegelenk wahrgenommen, meist gefolgt von einer Schwellung, Bewegungs- und Belastungseinschränkung. Es kann aber auch vorkommen, dass die sportliche Aktivität fortgesetzt werden kann ("so schlimm kann es nicht sein, ich bin weiter Ski gefahren, doch am Abend ist das Knie dann dick geworden").
Aber nach Abklingen der akuten Symptomatik, manchmal auch erst Tage bis Wochen später, tritt das Hauptsymptom eines Kreuzbandrisses auf: Die Instabilität des Kniegelenkes! Der Patient hat das Gefühl, als werde ihm das Knie ‹wegrutschen› (engl.: giving-way Symptomatik = das Knie gibt nach).

Diagnose

  • Anamnese und klinische Untersuchung
    In vielen Fällen kann anhand der Anamnese die Diagnose vermutet werden. Diese wird mit der klinischen Untersuchung und Bandprüfung definitiv festgestellt.
     
  • Röntgen
    Standardgemäß wird ein Röntgen des Kniegelenkes durchgeführt. Dieses dient zum Ausschluss knöcherner Verletzungen.
     
  • Magnetresonanztomographie
    Die MRI (Magnetresonanztomographie) macht den Kreuzbandschaden und eventuelle Begleitverletzungen (Seitenband-, Meniskusriss, Knorpelschaden etc.) sichtbar. 

Behandlung

Die Behandlung eines Kreuzbandschadens kann sowohl konservativ als auch operativ erfolgen. Die Entscheidung für eine der beiden Möglichkeiten hängt von folgenden Kriterien ab:

  • Ausmaß der Instabilität (subjektiv und objektiv)
  • Subjektives Instabilitätsgefühl
  • Begleitverletzungen (Meniskus, Knieseitenbänder)
  • Alter des Patienten
  • Wunsch weiterhin Sport auszuüben bzw. zu wollen

Konservativ

Die konservative Therapie setzt sich aus Ruhigstellung in der akuten Phase und anschließendem intensivem Muskelaufbau zusammen.

Operativ

Die Operation wird unter anderem mit Hilfe arthroskopischer Technik durchgeführt. Dadurch macht sich der Operateur zuerst ein Bild über das Auβmaβ der Verletzung und kann auch alle Begleitschäden behandeln. Über einen cirka 3-5 cm messenden Hautschnitt auf der Unterschenkelinnenseite, knapp unterhalb des Knies, werden ein oder zwei Sehnen von den auf der Innenseite des Oberschenkels verlaufenden Beugesehnen (Semitendinosus und eventuell Gracilis-Sehne) des betroffenen Beines entnommen. Diese Sehnen werden exakt in Länge und Dicke zurechtpräpariert und stellen nun den Kreuzbandersatz dar.

Anschlieβend wird dieses Transplantat durch die auf zehntel Millimeter exakt gebohrten Kanäle zwischen Oberschenkel und Unterschenkel gezogen und stabil fixiert.

Funktionell besteht das vordere Kreuzband aus zwei Bündeln.
Dem anteromedialen (am), das gegen die Verschiebung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel nach vorne und hinten wirkt, und einem posterolateralen (pl), das die übermäβige Rotation im Kniegelenk verhindert.
Wenn die Sehnen, die als Kreuzbandersatz verwendet werden, ausreichend kräftig und lang sind, können beide Anteile des Kreuzbandes wiederhergestellt werden. Dadurch wird die Operation aufwendiger und etwas länger, die bessere Stabilität und scheinbar auch frühere Belastbarkeit stehen aber dafür.

Ausschlaggebend für den Erfolg der Operation ist die exakte Wiederherstellung des Verlaufes und der Spannung des Kreuzbandes.

Computernavigation

Mit Hilfe der Computernavigation wird das Kniegelenk individuell vermessen. Anatomische Punkte werden definiert und kinematische (Bewegungsablauf) Daten erfasst. Mit diesen Informationen errechnet ein Computer auf Zehntelmillimeter genau die optimale Position für die Bohrkanäle im Unter- und Oberschenkel. Ebenso wird mit Hilfe des Computers die Instabilität des Kniegelenkes zu Beginn der Operation gemessen und am Ende, als Operationsergebnis, die Stabilität.

Ist eine Behandlung notwendig?

Ein Kreuzbandschaden muss auf jeden Fall behandelt werden. Durch die auftretende Instabilität des Knies kommt es sonst zu einer Überlastung der anderen Kniestabilisatoren (Meniskus, Bänder, Kapsel), die dadurch einem früheren Verschleiβ ausgesetzt sind und somit die Gefahr einer weiteren Verletzung bzw. frühzeitigen Arthrose (Knorpelschädigung) besteht.

Prognose

Bei über 94% der Patienten kann mit der Kreuzbandoperation wieder volle Funktion, Beweglichkeit und Kraft erreicht werden. Im ersten Jahr nach Unfall bzw. Operation muss mit einer Verschlechterung der Feinmotorik und Feinkoordination gerechnet werden. Der Grund dafür ist, dass sich in den Kreuzbändern Rezeptoren befinden, die dem Gehirn ständig Informationen über die Lage des Kniegelenks im Raum senden. Da diese Rezeptoren im Transplantat nicht vorhanden sind, dauert es einige Monate, bis man diese Eigenschaften wieder erlernt hat und sich das Knie an das "neue" Kreuzband gewöhnt hat.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach erfolgter Kreuzbandoperation erstreckt sich über einen Zeitraum von 6 Monaten - die ersten 6 Wochen davon mit Unterstützung einer Orthese. Diese bewegliche Schiene, ist der "Sicherheitsgurt" für das neue Kreuzband.

Phase I

Unmittelbar postoperative Phase: 1. und 2. Woche.
In der ersten Woche soll sich der Patient und das Gelenk nur von der Operation erholen. Das Knie wird bis zum Ende der zweiten Woche bzw. bis zur Nahtentfernung durch eine Schiene nahe der Streckstellung ruhig gestellt, wodurch der Muskel nach der Sehnenentnahme besser abheilen kann. Bewegungen dürfen passiv oder mit Hilfe einer Motorschiene durchgeführt werden. Stützkrücken sollen bis zur Schmerzfreiheit verwendet werden, ein regelmäβiges Kühlen des Knies beschleunigt den Rückgang der Schwellung.

Zirka am 10. postoperativen Tag erfolgt die Nahtentfernung.

Medikamente: Schmerztherapie mit NSAR, Magenschutz, Thromboseprophylaxe

Physikalische Therapie: passive Bewegung des Kniegelenks, dosierte Patellamobilisation nach medial, Gangschulung mit Stützkrücken, Lymphdrainage, Elektrostimulation gegen Atrophie (Rückbildung) der Oberschenkelmuskulatur. 

Phase II

3. und 4. Woche: Jetzt soll die Bewegung verbessert und das Gelenk zunehmend belastet werden. Die Schiene wird dazu bis zu einer Beugung von 90° freigegeben.

Medikamente: eventuell Salbenverbände

Physikalische Therapie: muss sehr vorsichtig durchgeführt werden, um die Einheilung des Transplantates in die Knochenkanäle zu ermöglichen.

Phase III

5. und 6. Woche: Jetzt wird die Schiene komplett freigegeben, wodurch Radfahren mit geringem Widerstand auf erhöhtem Sattel möglich ist.

Phase IV

bis 3 Monate nach OP: Sport nur in Form von Radfahren, Schwimmen, Crosstrainer mit wenig bis gar keinem Widerstand

Phase V

bis 6 Monate nach OP: kein ‹schneller› Sport (Fuβball, Tennis, Volleyball, Basketball, Handball etc.)